Projekt Streuobst

Hier finden Sie derzeit folgende Beiträge:

- Streuobstwiesen

- Sortenempfehlung Streuobst für das Erzgebirge

- Apfel - Birnen - ABC

Streuobstwiesen

„Werden wir, was wir noch nicht sind:
gute Nachbarn der nächsten Dinge.“
Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Ein Paradies für Mensch und Tier
Schon seit vielen Jahrhunderten sind Obstbäume die Begleiter des Menschen und prägen unsere Kulturlandschaft mit. Ob als Tafel-, Most-, Dörr- oder Brennobst, ob zu Kompott, Mus, Marmelade oder Kuchen verarbeitet, war Obst eine willkommene Bereicherung des Speisezettels. Wo es sich anbot, wurden hochstämmige Obstbäume gepflanzt, in Gruppen, Reihen oder „verstreut“ in der Landschaft stehend, an Bauernhöfen, in Gärten, an Straßen oder Wegen. Streuobstbestände gehören zu den vielfältigsten und - mit über 5.000 Tier- und Pflanzenarten - artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie haben enorme Bedeutung für die Sortenvielfalt, den Klima-, Boden- und Wasserschutz, für Landschaftsbild und Erholungswert einer Landschaft.

Streuobst in der Sackgasse?
Im Obstbau hat sich in den letzten Jahrzehnten vieles entscheidend verändert. Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor heimisches Obst gegenüber Südfrüchten deutlich an Attraktivität. Süßigkeiten verdrängten Äpfel und Birnen, Limonade und Cola die Obstsäfte mehr und mehr vom Markt. Unter dem Druck der Konkurrenz aus aller Welt wurde der Obstbau auf die betriebswirtschaftlich billigeren Niederstammkulturen umgestellt. Ergebnis dieser Entwicklung ist: Die Fläche der Streuobstbestände in Deutschland ist seit 1950 auf etwa ein Viertel zurückgegangen: auf schätzungsweise 300.000 bis 500.000 Hektar.

Und die Bestände sind weiterhin gefährdet:

Den Streuobstbau fördern, aber wie?
Streuobstbestände als altes Kulturlandschaftselement können großflächig und langfristig nur erhalten werden, wenn sie genutzt werden. Dies betrifft sowohl die Nutzung des Bodens als Wiese, Weide, Acker oder Rain, aber auch die Verwendung des Obstes für die menschliche Ernährung. Dieser Gedanke ist der Hintergrund für die Projekte des NABU:

Anlage und Nutzung von Streuobstbeständen
Schon kurz nach der Gründung unseres Kreisverbandes 1992 haben wir mit der Neuanlage und der Pflege von Streuobstbeständen begonnen. So konnten von uns mittlerweile etwa 400 Hochstammobstbäume im Landkreis gepflanzt werden. Für einen Großteil dieser Bäume werden von uns die Baumschnittarbeiten und die Unternutzung durchgeführt. Manche Flächen nutzen wir beispielweise als Schafweide oder zur Heugewinnung.

Das NABU-Apfelsaftprojekt
1995 haben wir unser „Apfelsaftprojekt“ ins Leben gerufen. An zwei Annahmestellen werden seitdem im Herbst Äpfel ausschließlich aus Streuobstbeständen zu einem Preis angenommen, der deutlich über dem üblichen Obstannahmepreis liegt. Die Äpfel werden in einer Kelterei separat gepresst, der naturtrübe Saft wird an Privatkunden, in Einzelhandelsgeschäften, Getränkemärkten, Gaststätten, Reformhäusern usw. verkauft, aber auch auf Märkten und Veranstaltungen angeboten. Und natürlich gibt es das leckere und gesunde Getränk auch in der Naturherberge Affalter.
Das Ziel solcher „Aufpreismodelle“ ist es, den Besitzern von Hochstammobstbäumen Verwertungsmöglichkeiten für ihr Obst zu einem angemessenen Preis zu bieten, um bei diesen den Erhalt und die Pflege ihrer Hochstammobstbäume und vielleicht sogar Nach- und Neupflanzungen interessanter zu machen. Viele Verbraucher sind gerne bereit, einen kleinen Aufpreis für die gesunden Produkte aus ungespritzten Streuobstbeständen zu zahlen und damit die Mehrarbeit auszugleichen - insbesondere wenn ihnen vermittelt wird, dass sie damit zum Erhalt der Bestände beitragen können.

Alte Obstsorten
Gerade in Streuobstwiesen, aber auch in Hausgärten gibt es noch viele alte Obstsorten, die sich in den jeweiligen Regionen über die Jahrhunderte hinweg bewährt und deshalb bis heute überdauert haben. Mit dem Rückgang der Obstwiesen gehen auch diese alten Sorten mehr und mehr verloren und mit ihnen das Wissen unserer Vorfahren zu ihrer sinnvollen Verwendung. Das ist bedauerlich, denn die ehemalige Vielfalt auf dem Speisezettel lässt sich nicht durch den „Einheitsbrei“ der wenigen Sorten im Supermarkt ersetzen. Also erhalten Sie ihre alten Obstbäume im Garten bzw. pflanzen Sie neue. Sie tun damit nicht nur der Tierwelt, sondern auch sich selbst einen Gefallen.    

„Es ist besser, ein kleines Licht anzuzünden,
als auf die Dunkelheit zu schimpfen.“
Chinesisches Sprichwort

Sortenempfehlung Streuobst für das Erzgebirge

Wir beschränken uns bei der hier vorliegenden Sortenempfehlung vorerst auf die reine Aufzählung der Sorten. Zu gegebener Zeit werden wir eine Tabelle mit weitergehenden Informationen (Sorte, Ansprüche, Anfälligkeit, Ernte, Reife, Verwertung, Hinweise) als PDF-Datei zum herunter laden zur Verfügung stellen.
Als Grundgerüst dieser Sortenempfehlung dient dabei die im Jahr 1999 als Bestandteil der Broschüre „Streuobst im Erzgebirge“, die vom Naturschutzzentrum Annaberg herausgegeben wurde, erarbeitete Sortenempfehlung des Auer Pomologen Wilfried Müller. Diese wurde damals nicht als endgültige Fassung betrachtet, sondern sollte weiter bearbeitet, verbessert und ergänzt werden. Leider kam Wilfried durch seinen viel zu frühen Tod nicht mehr zu dieser Arbeit. Die damalige Empfehlung wurde auf Grund der beim NABU in den letzten Jahren gesammelten Erfahrungen bei den Äpfeln noch leicht verändert und erweitert. Die damit hier vorliegende Sortenempfehlung stellt aus unserer Sicht eine völlig ausreichende Hilfe für alle dar, die für die Region geeignete Bäume pflanzen wollen, deren Obst sich auch sinnvoll verwerten lässt.
Diese Sortenempfehlung und viele weitere Informationen zu den Themen Streuobst und Insekten finden sich in der Broschüre „Von Äpfeln, Bienen, Hummeln und viel Natur(a) – Der Obst- und Insekten-Erlebnispfad Affalter“. Mehr zu dieser Broschüre erfahren Sie unter der Rubrik "Publikationen".

Äpfel 
Albrechtsapfel, Ananasrenette, Antonowka, Baumanns Renette, Berner Rosenapfel, Biesterfelder Renette, Bismarkapfel, Bohnapfel, Boikenapfel, Borsdorfer (mehrere Spielarten), Boskoop, Carola, Charlamowski, Croncels, Danziger Kant, Dülmener Herbstrosenapfel, Fiesers Erstling, Freiherr von Berlepsch, Geflammter Kardinal, Geheimrat Breuhahn, Gelber Edelapfel, Goldparmäne, Graue französische Renette, Harberts  Renette, Helios, Herrnhut, Ingrid Marie, Jakob Fischer, Jakob Lebel, James Grieve, Kaiser Wilhelm, Klarapfel, Königinapfel, Landsberger Renette, Lausitzer Nelkenapfel, Oberdieks Renette, Ontario, Rheinischer Winterrambur, Rote Sternrenette, Roter Eiserapfel, Ruhm aus Kirchwerder, Safran, Winterbananenapfel, Zuccalmaglios Renette

Birnen
Josephine von Mecheln, Gute Graue, Konferenzbirne, Leipziger Rettichbirne, Marianne, Petersbirne (Weizenbirne), Philippsbirne, Poiteau, Williams Christ

Pflaumen 
Althans Reneklode, Czar, Emma Leppermann, Viktoriapflaume, Wangenheim

Süßkirschen
Altenburger Melonenkirsche (Büttners Späte Rote Knorpelkirsche), Dönissens Gelbe

Kleines Apfel-Birnen-ABC (1)

Eine der ersten Apfelsorten, die in hiesigen Breiten zur Reife gelangt, ist der  Weiße Klarapfel. Bei uns im Erzgebirge eigentlich nur unter den Pseudonymen "Weizapfel" oder "Auguster" bekannt, damit soll wohl ausgedrückt werden, dass die Frucht etwa mit dem Weizen, also im August reift. Auf Gund der extremen Frosthärte des Holzes hat es die Sorte, die ursprünglich um 1850 aus dem Baltikum nach Frankreich gelangte,über ganz Europa bis in die Höhen des Erzgebirges geschafft. Der Klarapfel ist kaum mehr als zwei,drei Tage lagerfähig, am besten schmeckt er vom Baum. Wegen eventueller Magen und Darmprobleme dürfte es wohl kaum möglich sein, die Früchte eines kompletten Baumes in kürzester Frist zu verspeisen, das macht nichts, denn auch in Zeiten von Überfluss und Supermärkten wird die Apfelsorte immer noch gerne zu Apfelmus bereitet. Jede Hausfrau (oder Mann) wird bestätigen, dass dieser einfach köstlich schmeckt.

Wegen der hohen Vitalität gehört der Baum in jeden Hausgarten oder auf jede Streuobstwiese.

Kleines Apfel-Birnen ABC (2)

Wer kennt sie nicht von den "Alten", die Petersbirne, die im Sächsischen Raum nur als Weizenbirne bekannt sein dürfte. Dieses Synonym zeigt ebenso wie beim "Weizenapfel" den Reifezeitpunkt an. Die Sorte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Sachsen stammt und schon 1799 beschrieben wurde, trumpft mit einem einmaligen, sortentypischen Geschmack auf. Leider sind in den vergangenen Jahren viele Bäume dem Birnengitterrost, einer Krankheit, die beispielsweise durch den Kriechenden Wacholder, den Sadebaum etc. ausgelöst wird, zum Opfer gefallen. In diesem trockenen, warmen Sommer (2015) konnten die totbringenden Sporen weniger Schaden anrichten. Als Dank spendete der Baum ansehliche, wohlschmeckenede Früchte. Positiv ist zu vermerken, dass die Sorte in Obstbaumschulen wieder angeboten wird.

Kleines Apfel-Birnen-ABC (3)

Wenn man über Äpfel spricht, kommt man am Boskoop wohl kaum vorbei. Immer noch findet man viele Liebhaber dieser süsssauren Frucht, die mit vollständigen Namen - Schöner von Boskoop - heißt. Diese Sorte wurde 1856 im holländischen Ort Boskoop gefunden, hier hat also die Natur ein wohlschmeckendes Werk getan. Welche die Muttersorte ist, gilt als unsicher. Gezielte Kreuzungen waren zu dieser Zeit noch nicht in "Mode", die sehr alten Sorten sind also Zufallsprodukte, somit irgendwann aus einem Kern einer anderen Sorte entstanden. Wer nun glaubt, schlau zu sein und schnell ein paar Kerne dieses Apfels ins Erdreich bringt, um zu warten bis an den jungen Bäumchen plötzlich leckere Boskoop hängen, wird bitter enttäuscht sein. Man findet alles mögliche und unmögliche, nur nicht die gewünschte Frucht. Die damals plötzlich enstandene Frucht konnte man nur über Veredelungstechniken, mittels Reiser erhalten und vermehren. Es hat also tatsächlich einen Mutterbaum gegeben. In der Antike müssen das Veredeln  schon schlaue Leute gekannt haben, den Griechen und Römern waren schon edle Sorten bekannt, die sie immer weiter veredelten.

Auf Grund seiner vielen positiven Eigenschaften, vor allem seiner guten Transportfähigkeit, schafft es die Tafelfrucht durchaus noch in die Regale der Supermärkte, allerdings ist das meist eine rotschalige Form. Jetzt wird,s verrückt, auch das hat die Natur fabriziert, ein gewisser Herr Schmitz-Hübsch aus dem Rheinland fand 1923 "Mir - Nichts - Dir - Nichts" plötzlich und unerwartet an einem Spross einen rotschaligen Boskoop, (der etwas süsser schmeckt )  obwohl doch eigentlich nur der grüngelbe Boskoop am Baum hängen sollte. Die Erklärung ist ziemlich simpel, durch Umwelteinflüsse, Klima, Sonne etc. ( Mutation ) wurde diese Form gebildet. Der Rote Boskoop hat also nicht mal einen Mutterbaum, lediglich einen Mutterspross sozusagen. Diese Phänomen der Rotschaligkeit konnte man auch bei anderen Sorten wie Berlepsch - Roter Berlepsch oder Goldparmäne - Rote Goldparmäne, beobachten. Seit dem glücklichen Fund 1923 hat die Sorte ihren Siegeszug durch Europa, ja rund um den Erdball angetreten. Warum es der schmackhafte Apfel und andere alte Sorten heute dennoch schwer haben, soll in einer der nächsten Ausgaben erörtert werden.

Unser kleines Apfel - Birnen ABC (4)

Den Geschmack der Apfelsorte "Goldrenenette Freiherr von Berlepsch", kurz Berlepsch genannt, kann man mit feinzellig, saftig, aromatisch oder edelweinig beschreiben. Bei der Sorte handelt es sich um eine Kreuzung aus "Ananasrenette" und "Ribston Pepping". Es wurde von einem gewissen Herrn Uhlhorn bewusst diese beiden Partner zusammengebracht, das heißt, der Berlepsch ist eine Apfelschöpfung. Mit den Erkenntnissen der Vererbungslehre begann man zum Ausklang des 19. Jahrhunderts zielgerichtet mit Neuzüchtungen. Folglich entstanden Institute u. a. in Geisenheim oder Müncheberg, sehr bekannt dürfte das Institut in Pillnitz ( bei Dresden ) sein. Bemerkenswert ist, dass die Frucht einen hohen Vitamin C- Gehalt aufweist, selbst nach wochenlanger Lagerung, schon welkend, wurde bei Versuchen ein kaum abfallender Wert festgestellt. Man fragt sich nun, warum kann man diesen Apfel bei all den guten Eigenschaften nirgends kaufen. Vielleicht zu klein, zu blass. nicht süss genug ? Nur wenigen Sorten schaffen es heutzutage ins Regal von Discountern, oftmals sind das Neuzüchtungen, die eben diese Eigenschaften wie, Krankheitsresistenzen, Transportfähigkeit, Grösse, Kühllagerfähikeit, Süsse, mitbringen.  Sehr viele Sorten aus Großvaters Garten wird man vergeblich im Handel suchen, weil die eben nicht alle diese Eigenschaften mitbringen. Es ist Enthusiasten und Vereinigungen zu verdanken, dass eine gewisse Sortenvielfalt erhalten wird, schließlich ist auch diese Vielfalt als kulturelles Erbe zu verstehen und keiner kann heute sagen, welche "Obstgene" bei veränderten Umweltbedingungen in Zukunft gebraucht werden. Das reges Interesse am Thema besteht, zeigen Obstausstellungen u.a. in der Naturherberge Affalter, eine nicht enden wollende Besucherschar staunte über die Vielfalt der gezeigten Früchte. Manch einer konnte kaum glauben, dass die ausgestellten knapp 100 "alten" Sorten, lediglich in einem Radius von etwa 5 Kilometer um die Naturherberge gesammelt wurden. Eine Vielfalt, die es zu erhalten gilt !

Unser kleines Apfel - Birnen - ABC (5)

Ein früher Vertreter in der Reifefolge der Apfelsorten ist der Rote Astrachan. Etwa zur gleichen Zeit, in manchen Jahren etwas früher als der Klarapfel, Ende Juli, Anfang August, kann man die Frucht ernten. Der Apfel ist kaum lagerfähig, nach cirka einer Woche muss er aufgeschnappert sein, ansonsten wird er mehlig - und schmeckt nach nichts. Zum richtigen Zeipunkt, direkt vom Baum genascht, überrascht er mit einem wohlschmeckenden, erfrischenden, leicht säuerlichen Aroma. In Jahren des überreichen Behanges, eignet sich der Apfel vorzüglich zum Bereiten von Apfelmus. Die Sorte, die ursprünglich den Weg aus den russischen Weiten  nach Mitteleuropa gefunden hat, wurde schon Mitte des 19. Jahrhunderts, von Pomologen beschrieben. Die Frucht ist mäßig schorfempfindlich, daher sollte der Baum  eine lichte Krone aufweisen

Unser kleines Apfel - Birnen - ABC (6)

Ein Vertreter der geschmacklich absoluten Apfel - Spitzensorten ist ohne Zweifel der " Prinz Albrecht von Preußen ". Die Sorte wurde 1865 als Sämling aus "Kaiser Alexander", einer alten russischen Sorte, gewonnen. Einem Hofgärtner Braun ist damit ein großer Wurf gelungen. Nicht nur die geschmacklichen, auch die krankheitsresistenten Eigenschaften sind sehr gut. Der Baum trägt regelmäßig, er kann wegen der Frosthärte des Holzes und seiner unempfindlichen Blüte bis in höhere Lagen gepflanzt werden. Um große, ansehnliche Früchte zu ernten, sollte das Fruchtholz durch einen moderaten Schnitt laufend verjüngt werden, der Dank ist eine wohlschmeckende Frucht.

 

 

Schauen Sie auch auf
den Internetseiten vom
NABU Sachsen.

 

 

 

 

 

Kontakt:

Naturherberge Affalter
Weg zur Jugendherberge
08294 Lößnitz OT Affalter
Telefon 03771 319806
Mobil 0176 78344058

naturherberge@gmx.de


 

 

Naturherberge Affalter © 2011 Anmeldung